Montag, 15. Juli 2019

Altes Schöneberg an der Netze, Ort im Amt Driesen, ehemaliges Ostbrandenburg, heute Polen














Schöneberg zu Driesen, an der Netzte war eine Kolonie auf Erbzins, hatte 1765 11 Kolonisten, 12 Einlieger, 1 Krug, auf 1293 Morgen. 


Besitzer war Hauptmann Freiherr von der Golz**

Eingepfarrt in der ev. ref. Kirche zu Neu-Anspach bei Driesen.


Heute heißt Schöneberg Radowo. Das spätere Standesamt gehörte zu Vordam.



Nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) faßte Friedrich der Große den Entschluß, auch das Warthe– und Netzebruch zu meliorieren und zu besiedeln. Die Größe der beiden Bruchgebiete betrug bei der Warthe ca. 500 km² und bei der Netze ca. 280 km².


Slawen siedelten hier seit alter Zeit fast ausschließlich am Bruchrand, da ihnen dort Graswirtschaft, Jagd und Fischfanggleicherweise möglich war. 



Die Urbarmachung und planmäßige Besiedlung hinterließ der König seinem Sohn, auf dessen Anordnung hin das Bruchgebiet der Netze in den Jahren 1763 bis 1767 und das der Warthe von1765 bis 1767 entwässert wurde. 



Die Arbeiten an der Netze hatten bereits 1763 mit dem Bau des Petri-Kanals im Amt Brenckenhofswalde begonnen und die Kanalisierung war durch das ganze Bruchgebiet geplant gewesen. Infolge von Sparmaßnahmen wurden jedoch nur die kleinen Kanäle gebaut und so blieb die Netze größtenteils der Schiffahrtsweg.


1) Als Kolonisten in Schöneberg im Netzebruch werden 1763-69 genannt:

B(K)rüger; George; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; Polen

Hemmerling; Paul; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; Polen

Haenau/Haeno Andreas; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; Polen

Knap/Knopf Friederich; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; Polen

Läge; Christoph; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Niedrig; Johann; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Schultz; Johann; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Seidler; George; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Timme; Johann; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Weiße; Martin; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen

Weyler; Martin; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1763; ; Polen


Lentz; Gottfried; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1767; ; Polen

Salus; Johann; Schöneberg; Friedeberg/Nm.; 1766; 1767; Polen





2)Typische Viehstandstabellen für die verschiedenen Betriebsgrößen im Warthe- und Netzebruch (nach der Kolonistenliste von 1774):
Krüger, Jac., Janicke, Joh.,Niedrich, Chr., Harther, Joh., Beyer, Mart.



3) In den Deichrollen 1779 zum neuen Netzwall von dem Ober-Netzebruch von der Westpreußischen Grenze bis unterhalb von Driesen werden für Schöneberg genannt:














Der Begriff Kolonist wird hier nicht verwandt. In den 176ern waren noch 13 Haushalte gezählt worden. Zudem gab es ein Erbzinsgut in Schöneberg.






In den Online gestellten Kirchenbüchern findet man ab 1813 häufig die Familiennamen Giering, Glasmann, Grass, Griese, Grode, Hemmerling, Hoeft, Hoffmann, Krause, Krieger - später Krüger, Mattheusen, Meyer, Paul, Pockrandt, Prudoel, Retschlag, Seelig, Schendel, Schroeter, Woltersdorf, Zieske.

So gehören lediglich die Familien Grass, Hemmerling, Hoffmann und Krüger zu den älteren Einwohnern.




Auszug aus den Eintragungen ab 1813 : 


Landwehrmann und Infantrist Cristoph Dreger, Hausmann Johann Cristoph Grass, Wirt und Eigentümer Gottlieb Grass, Cossät und Wirt Cristoph Grode, Wirt und Eigentümer Cristian Friedrich Hemmerling, Wirth und Eigentümer Johann Friedrich Hoeft, Herrschaftlicher Meyer Friedrich Krause, Hausmann und Stabschlägermeister Cristian Friedrich Krieger, Cossät und Wirth und Eigentümer Cristian Friedrich Martten, Schäfermeister Martin Mittelstädt, Küster und Schullehrer Carl Friedrich Mattheus, herrschaftlicher Schreiber Cristian Paul, Landwehrmann und Infantrist Cristlieb Schendel, der Schmidt Cristoph Schroeter,  Inspektor Gottfried Seeli, Schafmeister Martin Wolf, Stabschlägermeister Georg Zeischke.

Siegel :





Unterschrift des Predigers und Küsters:



Sonstige Vermerke:







 

Meine Vorfahrin ist Marie Louise Auguste Grass *1844 in ?, Tochter des Christian Friedrich Grass und einer noch unbekannten Mutter. Christian Friedrich starb 1854 in Schöneberg. Marie heiratete 1863 in Schöneberg, Zeuge Josef Hermann Grass, und verstarb bereits 1873 mit 29 Jahren ebenda.










Im Jahr 1848 gab es 21 Kolonisten und 235 EW. 

Ende des 19. Jahrhunderts waren folgende Familien Besitzer von Grundstücken an der Netze in der Teil-Ortslage Vordamm: Blinde, Buchholz, Ehrhardt, Gladasch, Grass, Gundlach, v. Gustedt, Klingsporn, Kordinan, Korte, Krüger, Kußmann, Marten, Milling, Munk, Pockrandt, Podoll, Pruß, Sameith, Scheuer, Schimmel, Schmidt, Schwarz, Semmler, Tartarsky, Wanke, Wehrmann, Woite.
In den Teil-Ortslagen von Mühlendorf und Vordamm: Baber, Bautz, Bengsch, Boetzel, Briege, Curth/Kurth, Fiedler, Franke, Guhr, Gurkasch, Hagedorn, Hampel, Hartmann, Hempel, Kabel, Kahle, Kelm, Klatt, Krause, Krüger, Lenz, Liese, Meiseler, Meissner, Meyer, Mittelstädt, Müller, Neumann, Petznick, Riemer, Sauerwald, Schnell, Schüler, Spatz, Splettstösser, Stoltz, Werk, Würfel, Zank, Zarbock.




Aus der herrschaftlichen Familie:

*21.04.1815 Friedrich Heinrich Leo Adolf Ferdinand, Eltern: Rittmeister Heinrich August Georg Cristian von der Marwitz 00 Friederika, Baronin von der Goltz, Pate: Herr von der Koeten, Stadtrichter Arasburg, Frau von Ostin, Fräulein Henriette von der Marwitz, Fräulein Johanna Baronesin von der Goltz, stirbt 1815,




00 14.03.1816 Friedrich Casimir Behrent, Freiherr von Berfelde bei Neudamm 00 Baronessin Louisa Albertina von der Goltz



** Familie von der Golz:

Wahrscheinlich aus der Uckermark stammendes Adelsgeschlecht, das im Zuge der Ostkolonisation nach Ostpommern kam, wo Arnold 1297 im Auftrage der Markgrafen von Brandenburg die Stadt Dramburg gründete. Von hier aus breitete sich die Familie in Verbindung mit dem Johanniter- und Deutschritter-Orden weiter in der Neumark, in Pommern und Ostpreußen aus. Preußischer Grafenstand 1786–89, jeweils für einzelne Linien . 


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Sonntag, 14. Juli 2019

Kleine Holländerei Ludwigsdorf bei deutsch Filehne im ehemaligen Netzekreis, Polen







Die Holländerei Ludwigsdorf, eine Landgemeinde bei Deusche Filehne, im ehemaligen Netzekreis, wurde 1714 von J Casimir Saphiea angelegt, als Nachbarort zur bestehenden alten Holländerei Follstein und einem Vorwerk. 
Der Name entstand aus dem Vornamen der Ehefrau des Grundherren: Ludovika. Vorgesehen waren erst 8 Hufen zu einem Grundzins von jährlich 100 Talern. Der Ort war angelehnt an ein bereits bestehendes Vorwerk und somit die "Holländer" zu Getreidefuhren für das Vorwerk, Lagerung in dessen Scheunen, verpflichtet.

1725 wurde der Ort vergrößert und hatte einen Schulmeister. 1742 gab es 15 bäuerliche Gehöfte im Dorf. 1736 lebte ein Mathias Luther auf dem Vorwerk. 1738 war Andreas Teske als Dorfschulze genannt.

Bei einer Zählung im Jahr 1773 gab es im Ort 12 Bauern mit je 25 Morgen, 2 mit 18 Morgen, 3 mit 12 Morgen - 17 Stellen.

Zudem besaßen 3 Follsteiner Bauern Eigentum auf der Feldmark von Ludwigsdorf. Insgesamt lebten 109 Personen auf ca 394 ha. Zu diesem Zeitpunkt konnte die wirtschaftliche Situation als gesund bezeichnet werden. 

Die alten Familiennamen lesen sich niederdeutsch: wie z.B. Anklam, Gläß, Henke, Klatt, Krüger, Schering, Schwalm, Spiekermann, Wolter. Beliebte Vornamen bei den Männern waren Andreas, Christian, Christoph, Martin, Michael. Man kann davon ausgehen, das die wenigsten wirklich neu angesetzt waren. Eher sind es die alten Familien aus der Region, die hier für den Nachwuchs eine Bleibe fanden.

Kirche: 1639 regelte Alexander Niklaus von Szembeck-Kostka den lutherischen Gottesdienst für Filehne, Follstein, Marien- und Ehrbardorf. Ludwigsdorf hatte keine eigene Kirche. Die Bewohner waren evangelisch und hatten sich der Kirche in Follstein angeschlossen. Einträge sind auch in der evangelischen Kirche in Groß Drensen, Groß Kotten, deutsch Filehne sowie im katholischen Kirchenbuch Wielen zu finden. Allerdings sind die alten Bücher sehr schlecht geführt und die Einträge meist nur mit Minimalinformation. 

Bis 1772 gehörte diese Gegend zum Verbund Polen-Litauen, erst nach der ersten Teilung 1772 kam die Region unter preußische Herrschaft. Im nahen deutsch Filehne lebten viele Tuchweber, Spitzenklöppler und Zwirner.

1910 hatte Ludwigsdorf 130 Einwohner, der Nachbarort Follstein 514, weitere ev. Orte wie z.B. Groß Drensen 898, Groß Kotten 419, Deutsch Filehne 4.564.

Bis 1919 war deutsch Filehne überwiegend evangelischer Religion, Amtssitz des Landkreises Filehne und lag im Regierungsbezirk Bromberg.




1922 entstand die Grenzmark Posen-Westpreußen.Wie überall im Netzekreis, flüchteten 1945 die meisten Menschen ab gen Westen. Jedoch kamen 3 Personen aus Ludwigsdorf vorher um das Leben.


Familie Schering:














Der erste genannte Schering ist ein Christoph* geschätzt um 1700, Zeuge 1742 bei der Geburt einer Tochter des Johann Klatt.

Seine Tochter Elisabeth heiratet 1743 Daniel Splettstößer, Zeuge ist Michael Nolt aus der Holländerei Ludwigsdorf.

Ein Christian wurde 1742 geboren, Pate ist Christian Friedrich Brüning/Bräunlich/Bräunings, Gastwirt. (Christian vermutlich Sohn des Christoph).

Michael *1767, (Sohn des Christian ?) heiratet 1792 im KB Glashütte, Anna Elisabeth Wiegand/Weigand *1771. 1795 wird ein Kind geboren, Geschlecht unbekannt. (Ein Sohn und Vater von Ernestine s.u. ? ).

Elisabeth (Tochter des Christian ? ) heiratet 1768 Michael Breuer, er evtl. aus Mariendorf bei Filehne.


Meine Ururgroßmutter Ernestine Wilhelmine Lisette Schering * ca 1829, 00 1852 in Klein Lubs, ohne Nennung der Eltern, und starb 1900 in Glashütte. Eltern weiterhin unbekannt.








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